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Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 109/2021 vom 06.08.2021

Volkswagenstiftung finanziert Verbundforschung zu Unternehmenssteuern in Europa an der Universität Bayreuth

Die Besteuerung von multinationalen Unternehmen ist eine große Herausforderung für Nationalstaaten in einer globalisierten Wirtschaft. Europäische Unternehmens- und Wirtschaftshistoriker*innen um Prof. Dr. Jan-Otmar Hesse, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Bayreuth, untersuchen jetzt den Interessenskonflikt zwischen Nationalstaaten und multinationalen Unternehmen auf der Grundlage von historischen Fallstudien. Dies unterstützt die Volkswagenstiftung im Rahmen ihres Förderprogramms „Herausforderungen für Europa“ in den kommenden vier Jahren mit 1,2 Millionen Euro.

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Prof. Dr. Jan-Otmar Hesse erforscht mit Kollegen aus Rotterdam, Coventry und Prag die Steuerhistorie multinationaler Unternehmen in der EU.

„Historische Spannungen zwischen internationaler Wirtschaft und nationaler Besteuerung: Eine Herausforderung für Europa heute“ lautet der Titel des Forschungsvorhabens, das Prof. Dr. Jan-Otmar Hesse von der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth koordiniert. Das Projekt wird von einem Konsortium der Universitäten Prag, Rotterdam, Coventry und Bayreuth durchgeführt und ist auf vier Jahre angelegt.

Multinationale Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Besteuerung durch die internationale Verlagerung von Gewinnen zu optimieren. Hierauf reagierte die Staatengemeinschaft jüngst mit der Annahme des Vorschlags der US-Finanzministerin Janett Yellen, eine Mindeststeuer auf Unternehmensgewinne einzuführen. Sowohl Politiker*innen als auch Wissenschaftler*innen stehen aber vor dem zentralen Problem fehlender Daten, mit denen sich das Ausmaß der Steuerersparnis abbilden ließe. Quantifizierung und statistische Analyse sind schwierig, wenn die Daten unklar sind. „Da die gemeinsame Nutzung von Steuerberichten von Banken erst 2014, die von multinationalen Unternehmen erst 2016 begann, wissen wir wenig über die langfristige Entwicklung der Steuerstrategien und des Steuermanagements multinationaler Unternehmen“, erläutert Prof. Dr. Hesse die Ausgangslage. „In Ermangelung zuverlässiger Daten kann nur die historische Forschung diese Lücke füllen. Schließlich ist das Spannungsverhältnis zwischen nationaler Besteuerung und internationaler Geschäftstätigkeit kein neues Phänomen.“ Laut Hesse existieren Strategien zur internationalen Steueroptimierung in multinationalen Unternehmen schon seit dem späten 19. Jahrhundert.

Steueroptimierung multinationaler Unternehmen hat Tradition in Europa

Sie werden durch ein Netzwerk von Managern, spezialisierten Kanzleien und Wirtschaftspolitikern tradiert. Die Funktionsweise dieses Akteursnetzwerkes soll im jetzt eingerichteten Forschungsprojekt untersucht werden. Hesse: „Unsere methodische Strategie besteht dabei darin, die Problematik der Unternehmensbesteuerung und ihrer möglichen Umgehung nicht auf der Makroebene staatlicher Statistiken und Finanzen zu analysieren, sondern das Thema in Fallstudien herunterzubrechen.“

Die Fallstudien beziehen sich auf die Unternehmensgeschichte von vier einflussreichen europäischen multinationalen Unternehmen aus den vier, am Forschungsprojekt beteiligten Ländern sowie Luxemburg. Sie alle unterhalten aufgrund ihrer sozialen Netzwerke, aber auch aufgrund ihrer Größe und ihrer wirtschaftlichen Macht besonders enge Beziehungen zu den Regierungen ihrer Heimatländer. In allen Fällen sind die Unternehmensarchive zugänglich, auch Staatsarchive verfügen über weiteres zugängliches Quellenmaterial. „Unser Projekt wird politischen Entscheidungsträgern einen einzigartigen Einblick in die langfristige Geschichte von Konflikten und Kooperationen zwischen multinationalen Unternehmen und Nationalstaaten in der Frage der Körperschaftssteuer geben“, erläutert Hesse. Politische Entscheidungsträger sollen unter Berücksichtigung spezifischer historischer Kontexte über die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen und Politiken zum Ausgleich des Interessenkonflikts informiert werden. Hesse weiter: „Wir sind überzeugt, dass die langfristige Entwicklung dieser institutionellen Interaktionsstrukturen für den anhaltenden Erfolg der Steuerstrategien von multinationalen Unternehmen verantwortlich ist und dass der historische Hintergrund dieser europäischen Herausforderung verstanden werden muss, wenn politische Maßnahmen erfolgreich sein sollen. Denn mit der jüngsten Yellen-Initiative wird das Problem zwar erstmals angegangen, aber keineswegs gelöst werden können.“

Kontakt

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Prof. Dr. Jan-Otmar HesseInhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Tel: +49 (0)921 / 55-4189
E-Mail: joh@uni-bayreuth.de
Fax: +49 (0)921 / 55-4222

ZAPF-Gebäude, Haus 4 (Office 4.4.15)

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Anja-Maria Meister

Pressesprecherin Universität Bayreuth

Telefon: +49 (0) 921 / 55-5300
E-Mail: anja.meister@uni-bayreuth.de

Zentrale Universitätsverwaltung – ZUV
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth